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Über
das Phänomen der Lese-/
Rechtschreibschwäche (LRS) bzw.
Legasthenie als einer spezifischen
Wahrnehmungsschwäche im auditiven
und/oder visuellen Bereich existiert
mittlerweile eine umfangreiche
wissenschaftliche Literatur, deren
Forschungs- und Therapieansätze durch
den Bundesverband Legasthenie umfassend
dokumentiert sind (siehe auch unsere
Link-Liste). Das Forum Legasthenie
versteht sich als Plattform für alle
ernst zu nehmenden und wirksamen
Initiativen insbesondere im Raum
München, die der Förderung
lese-/rechtscheibschwacher bzw.
legasthener Kinder und Jugendlicher
dienen, bietet aber auch selbst Förder-
und Therapiemaßnahmen an, die sowohl dem Erwerb
und der Verbesserung der Schriftsprache
als auch der psychischen Befindlichkeit
des Kindes dienen.
Trotz
unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen in der Erforschung der Ursachen einer LRS
bzw. Legasthenie ist sich die Wissenschaft jedoch darin einig, dass von einer
Multiplizität der Ursachen auszugehen ist, unter denen bestimmte Funktionsstörungen
des Gehirns entscheidend sind, die beim Kind zu einer verminderten Lese-
und/oder Rechtschreibleistung führen. Daneben gibt es ein Bündel von Ursachen,
die im Vorfeld oder begleitend zu einer
therapeutischen Behandlung in Angriff genommen
werden müssen. Darauf gerichtete Maßnahmen können folgende Bereiche
betreffen: die Beeinträchtigung der Seh-, Hör- und Sprechleistung, psychische
Störungen als Auslöser oder Folgeerscheinung einer Legasthenie,
Konzentrationsschwäche, allgemeine Leistungsschwäche, soziale und familiäre
Beeinträchtigungen und viele andere Problemfelder, so auch eine vorhandene
Linkshändigkeit oder motorische Störungen. Zum Wohle des Kindes ist hier die interdisziplinäre
Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugend-Psychiatern,
spezialisierten Psychologen, Kinderärzten,
Augenär zten, Optikern, Ergotherapeuten, Logopäden und anderen Therapeuten
sowie mit den Pädagogen des Kindes notwendig. Deshalb bemüht sich das Forum
Legasthenie um den ständigen Kontakt zu diesen Fachkräften, organisiert bereichsübergreifende Veranstaltungen, unterstützt Eltern bei der Suche nach
der besten Hilfe für ihr Kind und arbeitet auch eng mit
Elternselbsthilfegruppen zusammen.
Daneben
bietet das Forum eigene
therapeutische Maßnahmen
an, die auch die Fremdsprachenlegasthenie (Englisch) umfassen und sowohl einzeln
als auch in kleinen, leistungshomogenen Gruppen durchgeführt werden. Wir sind der
Meinung, dass - ungeachtet individueller Problemlagen des Kindes - die direkte
Auseinandersetzung mit Sprache und Schrift, mit Lesen und Schreiben, in jedem
Fall notwendig ist, um die Schwächen im Falle einer LRS bzw. Legasthenie
abzubauen.
So
reichen beispielsweise bei motorischen Störungen legasthener Kinder
ergotherapeutische Maßnahmen keineswegs aus, um einer spezifischen
Lese-/Rechtschreibschwäche wirksam zu begegnen. Selbst das beste
Wahrnehmungstraining wird ohne den Zusammenhang mit Buchstaben und sprachlichen
Lauten keine Verbesserung im Erwerb der Schriftsprache bringen. Auch hat
der bei fast allen legasthenen Kindern notwendige Aufbau des Selbstbewusstseins
nicht automatisch eine Leistungsverbesserung im Lesen und Schreiben zur Folge.
Wir
teilen natürlich nicht die Auffassung von einer "Pathologisierung der
Kindheit" und einer "Arbeitsbeschaffung von psychosozialen
Berufsgruppen" durch die Problematisierung von Legasthenie. Wohl aber
möchten wir vor einer zunehmenden Entprofessionalisierung im Umgang mit der
Schriftsprache warnen. Wer z.B. das Regelwerk und auch grammatische
Feinstrukturen der Sprache selbst nicht perfekt beherrscht und vermitteln kann, wer Legasthenie als
einen Defekt ansieht, dem man nur mit Mitteln
außerhalb der Didaktik und Methodik des
Spracherwerbs wirksam begegnen kann, der wird als Legasthenietherapeut nicht
erfolgreich sein können. Insofern möchten wir die unentbehrliche Arbeit und
die Leistung der Sprachpädagogen innerhalb und außerhalb der Schulen -
stärker als dies derzeit in der öffentlichen Diskussion um
Legasthenietherapien geschieht - in den Vordergrund rücken. Deshalb ist unsere
Arbeit mit legasthenen bzw. LRS-Kindern vorwiegend pädagogisch und im Einklang
mit erfolgreichen verhaltenstherapeutischen Methoden ausgerichtet.
Zugleich
vertreten wir die Auffassung, dass auch die Regelschule und die
angeschlossenen schulischen Fördermaßnahmen mit didaktischen Mitteln und
Methoden, die sich bei der Arbeit mit legasthenen Kindern nicht immer mit
modernen Begriffen wie "selbstbestimmtes Lernen" vereinbaren lassen, Lese- und Rechtschreibschwächen erfolgreich begegnen
können, sofern die entsprechenden Rahmenbedingungen gegeben und Lehrerinnen und
Lehrer mit der spezifischen Problematik von LRS und Legasthenie vertraut sind.
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